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Blog Gehirn Jugendliche Pubertät

Pubertät – Großbaustelle Gehirn

3 Gründe warum Erwachsene Verständnis haben sollten

Völlig gestresst und genervt kam diese Woche eine Teilnehmerin von mir in die Stunde und musste erst einmal ihrer angestauten Wut mit folgenden Worten Luft machen: „Bin ich froh, wenn die mal aus dem Haus ist! Die allmorgendliche schlechte Laune, das „keinen Bock aufzustehen“ und „sprich mich bitte nicht an“ kann ich jetzt bald nicht mehr ertragen!“

Hört ihr Kind noch oder pubertiert es schon? Oder – was ist das überhaupt für ein „Tier“?

Die Tochter meiner Kundin ist gerade 15 Jahre alt und steckt sozusagen in einer der schwierigsten Phasen ihres Lebens und bewirkt indirekt somit auch eine sehr schwierige Phase für ihre Eltern und Mitmenschen. Sie steckt mitten in der Pubertät.

Hier sind Konflikte vorprogrammiert. Jugendliche vergreifen sich oft im Ton, verstoßen gegen Abmachungen und fordern immer genau das, was sie nicht dürfen. Erwachsene reagieren hier meist mit Druck, erhobenem Zeigefinger und lauter Stimme. Dies führt wiederum zur totalen Eskalation. So auch bei meiner Kundin.

 Der Startschuss fällt im Kopf!

Unglaublich, welch tiefgreifende Veränderung der Körper in der Pubertät durchmacht! Immerhin muss er danach nicht nur auf das Leben, sondern vor allem auf die Fortpflanzung vorbereitet sein (lat. „pubertas = Geschlechtsreife“).

Kurz vor Beginn der eigentlichen Pubertät bildet unser Gehirn vermehrt Geschlechtshormone. Beim Jungen vor allem Testosteron, beim Mädchen überwiegend Östrogene. Ist dieser Hormonspiegel im Körper hoch genug, geht es los: Das Gehirn, der Körper sowie das damit verbundene Verhalten der Jugendlichen wird zur Großbaustelle.

Bei Mädchen dauert diese Phase im Schnitt vom 9. bis zum 17. Lebensjahr, bei Jungen vom 10. bis zum 21. Lebensjahr. Hier gibt es jedoch eine große Schwankungsbreite. In dieser Zeit macht unser Gehirn einen außerordentlichen Wachstumsschub. Dumm nur, dass sich die Hirnregionen nicht gleich schnell entwickeln. Aufgrund dessen funktioniert die Kommunikation zwischen den Hirnregionen nicht mehr optimal. Hinzu kommt die Umstellung der Hormone, die dann ein regelrechtes Gefühlschaos auslösen können.

Mehr Mitgefühl und Verständnis

Im Grunde sind Jugendliche in dieser Zeit oftmals sehr hilflos, überfordert, verbunden mit Ängsten, die nicht in Worte gepackt werden können.

Wir als Erwachsene können mit klarem Kopf und Verstand, quasi als „Meta-Ebene“ unterstützen: Indem wir Verständnis haben, auch wenn wir sie gefühlt an die „Wand klatschen“ könnten. Denn das, was dieser Jugendliche in dieser Zeit nur schwer schafft, das schafft ein Erwachsener sehr leicht!

Nämlich das denkende Gehirn – den klaren Menschenverstand einzuschalten. Rational zu unterstützen und sich nicht von dem emotionalen Gefühlsfeuerwerk mitreißen zu lassen.Zu wissen was in dieser Zeit „da oben“ passiert hilft auch, besser damit umgehen zu können.

3 Gründe

1. Angstzentrum: Das Kontrollsystem unseres Gehirns, der präfrontale Cortex wird in dieser Zeit neu vernetzt. Rationales Denken, die Zukunft planen und Entscheidungen überdenken ist nur sehr schwer möglich. Der Jugendliche reagiert und agiert hier vor allem aus der Angstzentrale heraus. Emotionen bestimmen den Alltag. Hier gilt es, für den Jugendlichen das rationale Denken mit zu übernehmen bzw. zu unterstützen und Verständnis für die angstbehafteten Gefühlsausbrüche zu haben.

2. Belohnungszentrum: Die Dopaminausschüttung spielt komplett verrückt. Das Belohnungs- und somit das Motivationszentrum liegt brach. Hier besteht die Gefahr des Zugriffes auf „Ersatzmittel“ wie Alkohol oder Drogen. Um dem entgegen bzw. unterstützend zu wirken, ist es in dieser Zeit besonders wichtig die Jugendlichen zu loben, Anerkennung zu zeigen und Interesse für sie zu haben. Hier hilft die Abgrenzung – dein Verhalten ist nicht in Ordnung, jedoch du als Mensch bist mir sehr wichtig.

3. Schlafzentrum: Das Schlafhormon Melatonin wird bis zu zwei Stunden zu spät ausgeschüttet. Das heißt: abends sind die Jugendlichen nicht müde und morgens kommen sie nicht aus dem Bett. So verbrauchen wir recht viel Energie, wenn wir versuchen die Jugendlichen am Abend ins Bett zu „prügeln“. Vielleicht hilft auch hier, Verständnis zu haben und darüber zu sprechen.

Zusammengefasst – damit kämpfen die Jugendlichen

  • Sinken der Gedächtnisleistung
  • Nervosität
  • Konzentrationsstörungen
  • Störung des Schlaf–Wachrhythmus
  • Erhöhtes Schlafbedürfnis
  • Verstärkung der Ängste
  • Interessenlosigkeit
  • Verminderte Reaktionsfähigkeit
  • Verhaltensstörungen

Und nicht vergessen:

Diese Zeit hat ein klares Ziel! Nämlich so viele Nervenzellenverbindungen wie möglich herzustellen, um im späteren Leben darauf Zugriff zu haben.

Also: Zeigefinger weg – Verständnis her und bevor die Eskalation kommt, einfach in Bewegung gehen!

Im optimalen Fall der Erwachsene UND der Pubertierende.