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Blog Musik im Gehirn

Warum uns Musik bewegt

Freitagmorgen, 7.30 Uhr in Stuttgart auf dem Weg in mein Büro. Ich bin voller positiver Energie und freue mich auf die zu erledigende Arbeit auf meinem Schreibtisch. Mein guter Flow wird relativ schnell durch den Stau vor meiner Nase im Keim erstickt. Ein LKW steht quer im Tunnel und es geht wirklich gar nichts mehr! Laut Verkehrsmeldung steigt der Zeitverlust bis zu meinem Ziel von Minute zu Minute. Eben waren es noch 35 Minuten Verzögerung, wenige Augenblicke später bin ich schon bei 1,5 Stunden angelangt. Es gibt drei Worte, die meinen Zustand beschreiben. ICH BIN GENERVT!!! Das tägliche Verkehrschaos raubt mir im wahrsten Sinne des Wortes meinen letzten Nerv. Im Schneckentempo rollen die Autos Richtung Innenstadt. Darin sitzen lauter mürrisch dreinschauende und fremdbestimmte Autofahrer.

Ich bin schon fast panisch und suche nach Lösungen dafür, dass mein Stresshormon Cortisol nicht meinen ganzen Körper und somit auch meine Stimmung voll im Griff hat. Eine Herausforderung, denn einfach das Auto abstellen, aussteigen, meinem Bewegungsdrang nachgehen, das geht in so einer Situation leider nicht.

Plötzlich vernehme ich ein tiefes Brummen neben mir. Basstöne dringen trotz verschlossenem Fenster in das Innere meines Autos. Schnell erkenne ich die Ursache des Brummens. Ein Bus mit vier Handwerkern nutzt die Zwangspause, um aus ihrem Handwerkermobil ein Discomobil zu machen. Weit offene Fenster, vier Jungs die gemeinsam im Takt wippen. Textsicher scheinen sie auch noch zu sein, das erkenne ich daran, dass sie alle voller Leidenschaft mitsingen. Das macht mich neugierig. Ich lasse ebenso mein Fenster herunter, um der Musik zu lauschen.

Schnell stellt sich heraus: unser Musikgeschmack scheint der gleiche zu sein. Augenblicklich lasse auch ich mich durch die Töne und den Takt in eine positive Stimmung versetzen. Ich wippe und singe mit, vergesse schnell meinen Ärger und komme wieder in eine positive Grundstimmung. Mit viel mehr Leichtigkeit überstehe ich so den Stau.

Was macht die Musik mit uns? Oder: Wie aus Musik Emotionen werden

Unser Hörzentrum, der auditive Cortex spielt eine große Rolle bei der Entstehung von Emotionen. Er nimmt die Tonfolgen, die sich in elektrische Impulse verwandeln auf. Diese werden bewertet, gefiltert und an unser emotionales Gehirn, dem limbischen System weitergegeben.
Dort werden aus Reizen Emotionen.

Harmonie oder Disharmonie, das ist hier die Frage!?

Harmonie und Disharmonie sind tief in unserem Gehirn verankert. Harmonisch empfundene Töne führen zum Ausstoß des Motivationsstoffes Dopamin, unser Belohnungssystem kommt in Gang. Unser Körper entspannt sich und wir fühlen uns pudelwohl. Disharmonisch empfundene Töne hingegen gehen direkt in unsere Angstzentrale, die Amygdala. Diese „warnt“ den Körper, was zur Folge hat, dass sich Blutdruck und Herzschlag erhöhen. Unser Körper verspannt sich und fühlt sich nicht wohl.
Zurück zu meinem Erlebnis mit den Handwerkerjungs. Diese Musik hat bei mir ganz klar die harmonische Ebene angesprochen.

Wie mit Musik gearbeitet wird – leistungssteigernd oder leistungseinschränkend

Das kennen wir alle. Musik in den Kaufhäusern, ob im Supermarkt oder im Bekleidungsfachgeschäft. Sie soll uns beschwingen und motivieren und so die Kaufkraft steigern. Ich muss zugeben, bei mir funktioniert das.

Selbst die Autoindustrie setzt bewusst Akustikingenieure ein. Je nachdem um welchen Autotyp es sich handelt, sollen die Motorgeräusche unser Unterbewusstsein positiv beeinflussen. Dadurch fällt manch einem die Kaufentscheidung leichter.

Ein Test mit Langstreckenläufern ergab, dass nicht Musik an sich den Läufer schneller laufen lässt, sondern die ganz eigene und individuell für den jeweiligen Läufer harmonisch und positiv hinterlegte Musik. Diese lässt den Läufer im wahrsten Sinne des Wortes „davon laufen“.

In Amerika hingegen wird Musik in Verbindung mit Schlafentzug als Folterinstrument eingesetzt. Der Gefangene oder zu Verhörende wird permanent mit disharmonischer Musik beschallt, die dazu noch eine unerträgliche Lautstärke hat. So erhofft man sich eine Aussage zu erzwingen.

Wie können wir Musik für uns nutzen?

Für ein positives Wohlbefinden ist es in viele Richtungen förderlich, eine für sich harmonisch klingende Musik zu hören. Wenn dann noch die Bewegung dazu kommt, ist das Balsam für unser Gehirn und somit unser Befinden.
Unsere Ohren sind der direkte Weg ins Gehirn. Die Augen können geschlossen werden – die Ohren nicht.